Auch dieses Jahr konnte die DM der 10rater bei der Segelgemeinschaft Lohheider See e.V. in Duisburg-Baerl durchgeführt werden. Holger Schmitt hat sich einmal mehr dankenswerterweise der Aufgabe angenommen und mit einem bewährten Team die Durchführung der Meisterschaft bravourös durchgezogen. Es war ein Team aus drei Generationen der Familie mit Anhang und Jörg Grahl. So war an der Startstelle bewährtes Personal für die Regatta gewährleistet. Aber auch in der Betreuung im Clubhaus hat es an nichts gefehlt. Das alles ist keine Selbstverständlichkeit, weshalb die Teilnehmer auch voll des Lobes und der Dankbarkeit waren und dies auch zum Ausdruck brachten.
Die ersten Teilnehmer kamen schon am Freitag an und nutzten den guten Wind zum Training. Wer wollte konnte campen, das sonnige Wetter lud geradezu dazu ein. Auf dem Clubgelände, am Waldrand entlang, war Platz für Wohnmobil, Wohnwagen oder Kleinbus. Das Clubhaus bot die sanitären Anlagen und auch Aufbewahrung der Boote über Nacht, was dankbar zur Trockenlegung genutzt wurde.
Am Samstag herrschte idealer Wind von Westen mit Stärke 2-4 bft und Böen, die auch 6 erreichen konnten. Entsprechend oft musste Rigg gewechselt werden. Mutige fingen mit A-Rigg an, mussten aber ziemlich bald einsehen, dass B oder C die bessere Wahl waren, um manövrierfähig zu bleiben.
22 Segler hatten gemeldet, was für diese Klasse eine positive Entwicklung darstellt. Manches neue oder bisher nicht so oft gesehene Gesicht war dabei, sei es mit neuem oder geliehenem Boot. Einige Boote wechselten nach der Regatta den Besitzer, was neuen Zuwachs der "Königsklasse" bedeutet.
International wurde die DM durch das Kommen von POL 73, Jarek Lipinski, POL 29, Marcin Gransicki und NED 21, Chris Vaes.
Vorsichtshalber wurde in zwei Gruppen gesegelt, was bei dem starken Wind eine gute Entscheidung war. Trotzdem kam es nicht selten zu Kontakten, sei es durch Unvorsichtigkeit, Regelunkenntnis oder -verstoß oder einfach durch den manchmal hackigen Wind, der so manches Boot über die Grenze der Beherrschung durch den Skipper brachte. Aber alles lief ohne Geschrei oder gar Beschimpfung ab, also nicht so, wie leider nicht selten in den kleineren Klassen. Aber ganz ohne Frust ging es doch nicht. KRAUT !!! brachte öfters den einen oder anderen leiser oder etwas lauter zum fluchen und auf einen nicht gewollten Platz in dem Lauf. So lästig das auch war, im Grunde hätte es nach dem langen, warmen und regenarmen Sommer viel schlimmer sein können.
Leider verließ uns das Windglück am 2. Tag. Was noch übrig war an bewegtem Lufthauch kam aus NO bis SO über die Bäume und war entsprechend unzuverlässig und verwirbelt. Mit Gespür für den Wind oder mit guter Taktik war kein Lauf mehr zu gewinnen. Eine Portion Glück gehörte dazu, um auf der richtigen Seite des Kurses und letztlich vorne mit dabei zu sein.
Die Ergebnisse der Läufe 10 und 11 sind der Beweis. Die Regattaleitung hatte nach 2 Läufen ein Einsehen und beendete die DM deshalb etwas vor der Zeit und keiner hat gemurrt.
Das Endergebnis mit allen Details wurde an anderer Stelle schon veröffentlicht.
Ein paar Worte aus meiner Sicht zu den vorderen Plätzen, den Seglern und deren Boote:
1. und Deutscher Meister, GER 39, wurde Axel Becker mit deutlichem Punktevorsprung.
Axel hat seine Diamond perfekt hergerichtet, die Segel und deren Trimm sich gut erarbeitet, und das Boot auch bei viel Wind gut im Griff gehabt. Das A-Rigg hat er mit Akribie und nach manchem Ausschuss-"Probe"- Segel perfekt selbst geschaffen. Bei den Hemdsegeln B und C hat er sich (vorerst noch?) auf bewährtes Material von GB und BG verlassen. Wenn kein Kraut oder Lotteriewind dazwischen kam, war er stets auf vorderen Plätzen. Ein verdienter Sieger und Deutscher Meister!
2. Christian Neumeier, GER 90, ebenfalls Diamond.
Ich kann nichts Außergewöhnliches berichten. Das Boot und Christian wie immer total ausgeglichen. In der Ruhe liegt die Kraft und im Endergebnis dann Platz 2. Allem Ärger möglichst aus dem Weg gehen, vorausschauend segeln ist der Schlüssel zum Erfolg (sollte ich mir merken und kann ich jedem anderen auch nur empfehlen).
3. GER 61, Gerhard Schmitt mit ViryEasy.
Der komische Bootsname leitet sich von der französischen Stadt Viry Chatillon ab, in der 1991 die WM stattfand. Mit einem solchen Boot gewann damals Paul Lucas. Aber so alt die "Dschunke" auch ist, ich konnte bei dem starken und unregelmäßigen Wind (Tag 1) gut mithalten, und das obwohl "hackige" Winde nicht die günstigsten Voraussetzungen sind, wenn man alle Riggs als Swing hat. Bei ganz leichtem Wind ( Tag2) tut sich das Boot etwas schwer, da eine WL 128 zu einem kleinen A-Rigg zwingt und die 4,1 kg Blei nicht optimal beschleunigen.
4. GER 01, Gerd Mentges mit Kamsin.
Die Kamsin ist ein von Gerd selbst designter und gebauter 10er. Auch die meisten (alle?) Segel und Riggs sind Eigenbau. Ich betone das, weil es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, selber Segel zu machen, nachdem solche von erfahrenen RC-Seglern, teilweise Weltmeister, zu günstigen Preisen gekauft werden können. Ich sage das auch, weil ich weiß, wieviel Zeit und Aufwand nötig ist, um ein gutes Segel oder gar Rigg herzustellen, und weil ich manchmal das Gefühl habe, dass Segelfreunde, die noch nie ein Rigg selbst erstellt haben, das oft falsch einschätzen.
Mit seinem extrem guten A-Rigg und der Kamsin hat Gerd derzeit absolut den schnellsten deutschen 10er (auch wenn Torti jetzt schlucken sollte). Ich meine, seine kleineren Riggs kommen an das Potenzial des A-Riggs nicht heran, was den "nur" 4.Platz eventuell erklärt!?!
5. GER 02, Henning Faas mit Diamond.
Henning segelte immer solide vorne mit, aber die schon oft gezeigte performance fehlte dieses Mal ( Trainings- und Regattateilnahmerückstand???)
Wie gesagt, ich habe mir nicht alle Boote intensiv und berichtwürdig anschauen können. Nicht zuletzt, weil der starke Wind am ersten Tag den vollen Einsatz verlangte.
Deshalb noch zur Chronistenpflicht:
- insgesamt kamen 10 Designs zum Einsatz. Neben den oben genannten noch:
- Phönix 8 (Design Frank Russell) von Chris Vaes,
- zwei polnische Dzikun von Jarek Lipinski und Marcin,
- zwei Tensions (Design Peter Wiles) von Thorsten Günther und Volker Pilz,
- zwei in10sive (Design Torti) von Torti selbst und Jochen Hofacker,
- eine Druffundweg .(Design Eberhard Schuch) von Dieter Harth.
- eine Defector (Design Dave Creed) von Marcus Stein. Leider hat Marcus über mehrere Läufe das Windendefektmonster lahm gelegt. Seine viel bessere Diamond hatte er an Peter Meurer verliehen,
- eine Puzzle (Design GB) von Yogi. Das Boot stammt von dem verstorbenen Segelfreund Walter Piel (Gründungsmitglied des VdMYS). Ich habe das Boot von früher als sehr guten 10er in Erinnerung, da ich viele Regatten mit Walter zusammen gesegelt habe. Das Boot war damals absolut gleich schnell wie meine ViryEasy. Aber irgendwie ist der Bootstrimm (nicht der von den Segeln) abhanden gekommen. Es fiel auf, wie unwillig das Boot nach einer Wende wieder Fahrt aufnahm. Ich kenne das Gefühl, das sich da auf den Skipper überträgt, nur allzu gut von meiner JethRail und der Nioutram. Das kann selbst ein so guter Segler und vielfache Deutsche Meister der Klasse wie Yogi nicht kompensieren und das Boot auf einen vorderen Platz bringen. Aber Yogi hat das mit der Grandezza eines Toreros getragen.
- einige Segler hatten nur ein Leihboot oder waren mit ihrem Boot unzufrieden.. Deshalb fand mancher Bootswechsel statt. Die Kamsin von Gerd M. wechselte zu Dieter Harth und die in10sive von Torti zu Thorsten Günther. Letzteres war auch der Grund, weshalb Torti bei dem starken Wind nach dem 4. Lauf aufhörte. Er wollte kein Risiko eingehen und das Boot in gutem Zustand übergeben.
- wenn man in der A-Gruppe segelt, kann man von dieser Gruppe schlecht selbst ein Video machen. Wenn man zwischen A und B pendelt geht auch nichts. Aber eine kurze Sequenz von einer B-Gruppe habe ich doch geschafft. Man könnte es mit dem Titel "Gruppenkuscheln an der Luvtonne" (Copyright Marcus Stein) versehen. Yogi habe ich das Video geschickt. Ich kann es nicht, aber vielleicht kann Yogi als Experte es ins Forum stellen. Zur Erheiterung, zur Abschreckung und natürlich zur Schadensfreude und zum daraus lernen.




